Warum die Gefährdungsbeurteilung vor Baumarbeiten schriftlich sein muss und was passieren kann, wenn sie fehlt, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen. Kurz gesagt: Die SVLFG verlangt sie für den jeweiligen Einsatzort, und du musst sie aufbewahren.
Hier geht es um die praktische Seite. Wie bekommst du die Beurteilung auf der Baustelle schnell und ordentlich festgehalten, ohne Klemmbrett und ohne abends noch etwas abzutippen?
Auf einen Blick
- In ArborOffice füllst du die Gefährdungsbeurteilung in sechs kurzen Schritten aus. Alle Punkte aus dem SVLFG-Formular sind dabei, in derselben Reihenfolge.
- Adresse, Bäume, Arbeiten, Team und Termin kommen aus dem Projekt. Du ergänzt nur, was du am Einsatztag siehst.
- Am Ende schließt du mit deinem Namen ab. Die App legt ein PDF im Projekt ab, und dein Subunternehmer kann über den Projektlink mitmachen.
Das Formular kennst du schon
Die SVLFG hat für Baumarbeiten eine Vorlage, die viele Betriebe kennen: die „Einsatzortbezogene Gefährdungsbeurteilung Baumarbeiten“ aus der Broschüre „Baumarbeiten“ (B08), Seite 74. Eine Seite, viele Kästchen, von Personal und Ausrüstung über Stamm und Krone bis zur Rettung.
Wir haben das Rad nicht neu erfunden. Jedes Kästchen aus dieser Vorlage findest du in der App wieder, in derselben Reihenfolge. Wer das Papier kennt, findet sich sofort zurecht. Und wer später das PDF neben das Formular legt, sieht auf einen Blick, dass nichts fehlt.
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Ein paar Dinge haben wir ergänzt, weil sie im Alltag dazugehören: Arbeiten wie Jungbaumpflege oder Lichtraumprofilschnitt, die Scheine für Hubarbeitsbühne und Ersthelfer, Fotos vom Baum und ein Feld für what3words, falls der Einsatzort keine Hausnummer hat.
Das meiste steht schon drin
Das Lästige am Papierformular ist nicht das Ankreuzen. Es ist das Abschreiben von Dingen, die du längst irgendwo stehen hast. Adresse, Datum, wer dabei ist, welche Bäume, was gemacht wird.
In ArborOffice hängt die Gefährdungsbeurteilung am Projekt. Deshalb holt sie sich vieles selbst:
- den Einsatzort und what3words aus der Projektakte,
- Datum und Beginn aus dem Termin im Kalender,
- die Bäume mit Art, Höhe und Stammdurchmesser, so wie sie bei der Besichtigung aufgenommen wurden,
- die geplanten Arbeiten, etwa Kroneneinkürzung oder Fällung,
- dein Team mit den Scheinen, die du in den Stammdaten hinterlegt hast, und die Telefonnummer des Aufsichtsführenden.
Bei jedem dieser Felder steht dabei, woher es kommt, zum Beispiel „aus Projekt“ oder „aus Termin“. Du kannst alles ändern. Meistens musst du es aber nur kurz anschauen.
Was bleibt, ist der eigentliche Blick am Einsatztag. Ist der Fallbereich frei? Hat es seit der Besichtigung gestürmt? Wo ist der Rettungspunkt? Das kann dir keine App abnehmen, und das soll sie auch nicht.
Sechs Schritte bis zum Abschluss
Statt einer langen Seite gehst du durch sechs kurze Schritte. Oben siehst du, wo du gerade bist und in welchem Schritt noch etwas offen ist. Mit „Weiter“ wird gespeichert, du kannst also jederzeit unterbrechen.
1. Einsatz
Einsatzort, Rettungspunkt, Datum und Auftrag. Dazu, wie gearbeitet wird: vom Boden, mit Seilklettertechnik, mit Hubarbeitsbühne oder mit Kran. Du wählst den Aufsichtsführenden aus deinem Team, seine Nummer wird gleich übernommen. Beim Rettungspunkt hilft ein kurzer Hinweis: Wo kommt der Rettungswagen hin? Im Wald ist das die Nummer vom Rettungspunkt-Schild.
2. Personal
Wer ist heute dabei, und wer hat welchen Schein? AS Baum I und II, SKT A und B, Hubarbeitsbühne, Ersthelfer. Leute aus deinem Team tippst du einfach an, Aushilfen trägst du mit Namen ein. Darunter die sieben Punkte, die ihr gemeinsam besprecht, vom Arbeitsauftrag bis zur Bodenperson.
3. Arbeiten & Ausrüstung
Die geplanten Arbeiten sind aus dem Projekt schon gewählt. Bei der Ausrüstung hakst du ab, was vorhanden und geprüft ist: PSA, zwei Kletterausrüstungen, Abseil- und Rettungsmaterial, Maschinen, Funk, Absperrung.
4. Bäume
Für jeden Baum eine eigene Karte. Darin Ausrichtung, Baumumfeld, Stammfuß und Stamm, Krone und Kronengewicht. Am Ende die Frage, um die es eigentlich geht: Ist der Baum sicher für die geplanten Arbeiten? Ja, nein oder erst untersuchen. Wählst du „erst untersuchen“, schreibst du dazu, was du geprüft hast und was dabei herauskam.
5. Gefahren & Rettung
Witterung, Stromleitungen, Verkehr, Rückweiche. Dann die Rettung: Ist der Notruf möglich, ist Rettungsmaterial am Baum, ist der Rettungspunkt besprochen? In einem Feld darunter hältst du fest, was ihr deswegen macht. Zum Beispiel, dass der Gehweg abgesperrt wird oder der Hund der Kundin drinnen bleibt.
6. Fotos
Ein paar Bilder vom Baum und vom Umfeld. Sie landen bei den Projektfotos und erscheinen klein am Ende des PDFs. Darunter ist Platz für sonstige Bemerkungen.
Reinsprechen statt tippen
Mit nassen Handschuhen tippt niemand gern. Deshalb gibt es in jedem Schritt oben rechts das Mikrofon. Du sprichst, was du siehst, und die App setzt die passenden Haken und füllt die Felder.
„Linde, etwa achtzehn Meter, Normalbaum. Totholz in der Krone, keine Pilze am Stammfuß. Fallbereich zum Gehweg hin wird abgesperrt, Stromleitung weit genug weg.“
Was aus dem Diktat kommt, ist mit einem kleinen Mikrofon markiert. So siehst du sofort, was die App eingetragen hat, und kannst es kurz prüfen. Die Beurteilung bleibt deine, die App schreibt nur mit.
Abschließen, ablegen, wiederfinden
Wenn alles drin ist, siehst du eine Übersicht mit allen Schritten. Steht bei einem Punkt noch etwas offen, zeigt die App das an. Du entscheidest, ob du es ergänzt oder trotzdem abschließt.
Zum Abschließen bestätigst du mit deinem Namen. Datum und Uhrzeit hält die App fest, und es entsteht ein PDF, aufgebaut wie das Formular der SVLFG. Es liegt im Projekt, zusammen mit Angebot, Fotos und Rechnung. Wenn in einem halben Jahr jemand fragt, wie der Einsatz vorbereitet war, musst du nicht im Transporter nach einem Zettel suchen.
Ändert sich im Laufe des Tages etwas, etwa weil ein Ast anders liegt als gedacht, trägst du das nach und bestätigst es noch einmal. Die erste Fassung bleibt dabei erhalten. Man sieht also später, was ihr morgens eingeschätzt habt und was dazugekommen ist.
Geht der Einsatz über mehrere Tage, tippst du am nächsten Morgen wieder auf „GBU erstellen“. Alles vom Vortag wird übernommen und als „vom Vortag“ markiert. Du gehst die Punkte durch, schaust, ob sich über Nacht etwas geändert hat, und bestätigst neu.
Wenn ihr aus zwei Betrieben kommt
Arbeitest du mit einem Subunternehmer oder einem Kollegen aus einem anderen Betrieb, müsst ihr euch vorher abstimmen. Beide sollten wissen, was der andere am Baum gesehen hat.
Dafür gibt es den Projektlink, den du ohnehin schon für Adresse, Bäume und Fotos teilen kannst. Wenn du es in den Link-Einstellungen freigibst, sieht dein Kollege dort auch die Gefährdungsbeurteilung. Er kann sie mit ausfüllen, eine neue für heute anlegen und sie mit seinem Namen abschließen. Ein eigenes Konto braucht er dafür nicht, der Link reicht.
Häufige Fragen
Reicht das für die SVLFG?
Die App deckt alle Punkte aus dem SVLFG-Formular ab und legt die Beurteilung mit Datum ab. Ob sie in deinem Fall ausreicht, entscheidet am Ende aber nicht die App, sondern was du vor Ort beurteilt und eingetragen hast. Bei Fragen zu deinen Pflichten ist die SVLFG selbst der richtige Ansprechpartner.
Muss ich jedes Feld ausfüllen?
Nein. Die App zeigt dir, wo noch etwas fehlt, hält dich aber nicht auf. Ob ein Punkt für diesen Einsatz wichtig ist, weißt du besser als jedes Formular.
Und wenn ich lieber unterschreibe?
Dann druckst du das PDF aus und unterschreibst es. In der App bestätigst du mit deinem Namen, Datum und Uhrzeit stehen automatisch dabei.
Wo landen die Daten?
Auf unserem Server in Deutschland. Sprachaufnahmen werden bei einem Anbieter in der EU in Text umgewandelt und dort nicht gespeichert. Mehr dazu steht in der Datenschutzerklärung.
Keine Rechtsberatung. Dieser Beitrag beschreibt, wie die Gefährdungsbeurteilung in ArborOffice funktioniert. Welche Pflichten für dich genau gelten, hängt von deinem Unfallversicherungsträger und deinem Betrieb ab. Einen Überblick zur Rechtslage findest du in unserem Beitrag „Gefährdungsbeurteilung: Immer gemacht, selten dokumentiert“. In Österreich (AUVA) und der Schweiz (Suva) gelten eigene Regeln.
